Archiv für Juni 2007

Volxküchen in der Schuldenfalle? / Action kitchens in debt?

Nach einer Meldung in der tageszeitung, die bei Indymedia (Kopie bei gipfelsoli.org) und im Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ aufgegriffen wurde, sollen die Volxküchen auf den selbstorganisierten Anti-G8 Camps rund um Heiligendamm 15.000 Euro Schulden gemacht haben. Dabei wurde nur mit vorläufigen Zahlen hantiert – Selbstorganisation funktioniert halt nicht, so die dahinter liegende Aussage. Eben doch!!! Hier nun die abschließende Stellungsnahme der Vokü-Koordination:

Entgegen anderslautender Meldungen ist das finanzielle Ergebnis der Anti-G8-Volxküchen ausgeglichen.

As opposed to various reports the financial result of the Anti G8 kitchens that they have broken even.

deutsch / english version below

radical rabbit

Aufgrund der großen Spendenbereitschaft auf den Anti-G8-Camps und auf den Blockaden konnten sogar Überschüsse erzielt werden, die für die Repressionskosten der Anti-G8 Mobilisierung verwendet und an das Legal Team weitergeleitet werden.

Nach einer Meldung in der tageszeitung (taz) vom 12.06.2007 sollte den beteiligten Volxküchen einen Verlust von 15.000 Euro entstanden sein. Diese Zahlen basierten jedoch nur auf der vorläufigen Einschätzung einiger Voküs am letzten Camp-Tag, die nach umfangreichen Berechnungen der VoKü-Finanz-Koordinationsgruppe nun endlich dementiert werden können und müssen.

Wir bedauern den dadurch ausgelösten Eindruck, dass das Prinzip der Volxküche auf Spendenbasis nicht kostendeckend funktionieren könne. Es zeigt sich vielmehr, dass es auch über einen längeren Zeitraum möglich ist, selbstorganisiert leckeres veganes und teilweise vegetarisches Essen aus ökologischem Anbau für eine große Anzahl Menschen zuzubereiten und gegen Spende zu verteilen.

Ohne die vielen Helfer_innen und Spender_innen wäre das nicht möglich gewesen. Uns freute besonders das eigenverantwortliche Spendensammeln auf den Blockaden, was als ein Zeugnis funktionierender Selbstorganisation gelten kann. Genauso super fanden wir auch den verantwortlichen Umgang mit dem Vokü-Geschirr und Besteck, das immer wieder seinen Weg in die Küche zurück fand.

Als Teil der autonomen Protest-Camps bedanken wir uns bei allen, die diese beeindruckende Infrastruktur mit aufgebaut haben und damit eine Organisationsphilosophie die auf Dezentralisierung und Autonomie aufgebaut ist aktiv verwirklicht haben.

Die Camp-und Blockade Volxküchen wurden insgesamt von fast 20 verschiedenen Küchen-Kollektiven organisiert.

Hier eine – unvollständige – Liste:

CC Kitchen
Do It Yourself Kitchen (Freiburg)
Elezozo
Le Sabot – Netherlands
Anarchist Teapot – UK
Kesselberg Vokü (bei Berlin)
Ost – Sächsische Volxküche
Küche X
Queer Vokü
Berlin G8 Vokü/ Food for Action
Hannover Vokü
Wendland/Oldenburg Vokü
Rampenplan – Netherlands
Kokerellen – Belgium
RAF (Revolutianair Art Force) – France
Schleswig-Holstein-VoKü
Marburg Mobile Suppenküche
Weimaer VoKü
Sani Vokü

Bildet Banden, bildet autonome Volxküchen – Free Food for the Revolution – in Heiligendamm and everywhere.

Action kitchens in debt?

As opposed to various reports the financial result of the Anti G8 kitchens that they have broken even.

Due to a great willingness to donate money by people in the Anti G8 camps and on the blockades, there are even surpluses that can be donated to legal and prisoner support around the mobilisation.

According to a report in the tageszeitung (taz) on the 12th June 2007, the particpating kitchens are said to have suffered a loss of 15,000 euros. These numbers, however, are based on the temporary estimates of some kitchens at the last day of the camps, that can now, after many calculations, be definitely proven not to be the case from the kitchen finance co-ordinating group.

We regret that this creates the impression that the principle of running the kitchens by donations could not work and cover the costs. However it is now apparent, that it is actually possible even over a longer period of time to cook tasty organic vegan and partly vegetarian food for a large number of people on a self organised basis and distribute it just for donations.

This wouldn‘t have been possible without the many helpers and people willing to make donations. It was especially nice to see the collection of donations on the blockades, which can be regarded as a testimony to the success of self organisation. It was also great how responsible people were with the crockery and cutlery provided by the kitchens, that would always find its way back to the kitchens.

As a part of the autonomous protest camps, we hereby thank everyone who helped build up this remarkable infrstructure, and therefore actively realised an organisational philosophy based on decentralisation and autonomy.

The camp and blockade kitchens were organised by altogether nearly 20 different cooking collective – here is an incomplete list:

CC Kitchen
Do It Yourself Kitchen (Freiburg)
Elezozo
Le Sabot – Netherlands
Anarchist Teapot – UK
Kesselberg Vokü (near Berlin)
Ost – Sächsische Volxküche
Küche X
Queer Vokü
Berlin G8 Vokü/ Food for Action
Hannover Vokü
Wendland/Oldenburg Vokü
Rampenplan – Netherlands
Kokkerellen – Belgium
RAF (Revolutianair Art Force) – France
Schleswig-Holstein-VoKü
Marburg Mobile Suppenküche
Weimaer VoKü
Sani Vokü

Organise, create autonomous kitchens – Free Food for the Revolution – in Heiligendamm and everywhere.

Doch keine Vokü bei Mc Donalds?

Bodo Ramelow dementiert die wahren Pläne der Linkspartei:

Wir wollen H&M nicht verstaatlichen und McDonald’s nicht zur Volksküche machen.

Aus der Frankfurter Rundschau.

Über Autonome und Volxküchen

In der Jungen Welt Wochenendbeilage vom 16.06.2007 findet sich ein Gespräch mit Geronimo. Über Autonome und Volxküchen, Anti-G-8-Proteste und Polizeigewalt, Militanz und Sozialdemokratie.


„Den Anspruch haben, nicht blöd zu werden“


Es gibt aber auch andere Lesarten: Manche plazieren die Gründung der Autonomen im Westberliner Häuserkampf Anfang der 80er Jahre.

Jedenfalls entstand eine Alternativbewegung, die sich bis heute fortzieht – in die Camps rund um Heiligendamm. Es hat immer ein autonom-alternativ hippieskes Milieu gegeben, in dem die Autonomen leben, gedeihen, auch darin verschwinden oder sich transformieren.

Also sind die Autonomen politische Camper?

Ja, im Kontext der Selbstorganisierung: nomadisch, zuweilen autark und aggressiv. Immer in der Nähe der dampfenden Volxküche, eine Art demonstrative kollektive Armutskultur, die ja überraschenderweise selten politisch gedacht wird.

Den anderen Linken hat dieses Essen einfach nicht geschmeckt?

Jeder, der hier nölt, »das Essen schmeckt mir nicht«, ist sofort mit der Frage konfrontiert, ob er denn nicht besser kochen könnte.

Anti – G8 – Camp – Volxküche – Spende

Während die Vokü-Koordination noch am rechnen ist, wird zu Spenden für die Vokü Rampenplan aufgerufen:

Das Kochkollektiv Rampenplan ist in finanzielle Not geraten und bittet dringend um Spenden.

Dabei handelt es sich um eine (gut gemeinte?) Fehlinformation. Nach einer ersten Einschätzung des Kochkollektivs Rampenplan und der Vokü-Koordination können alle offenen Rechnungen der Camp-Voküs bezahlt werden. Damit zeigt sich, dass es auch über einen längeren Zeitraum möglich ist, selbstorganisiert leckeres veganes / vegetarisches Essen für eine große Anzahl Menschen zuzubereiten und gegen Spende zu verteilen.

Ohne die vielen Helfer_innen wäre das nicht möglich gewesen. Daher bedanken wir uns ausdrücklich bei allen Helfer_innen und Spender_innen und freuen uns auf die nächste Kochaktion mit euch!

Die Camp-Volxküche wurde selbstverständlich nicht alleine von Rampenplan organisiert, sondern von insgesamt fast 20 verschiedenen Küchen-Kollektiven.

Hier eine – unvollständige – Liste:

Convergence Center Rostock

CC Kitchen
Do It Yourself Kitchen – Freiburg
Elezozo – westafrikanische Kuechen

Reddelich

Le Sabot – Netherlands
Anarchist Teapot – UK
DIY – Freiburg
Kesselberg Vokü
Ost – Sächsische Volxkuche
Küche X
Queer Vokü
Elezozo – westafrikanische Kuechen

Wichmannsdorf

Food for Action
Hannover Vokü
Wendland/Oldenburg Vokü

Rostock

Rampenplan
Kokerellen

And … also … around the actions ….

Schleswig-Holstein-VoKü
Marburg Mobile Suppenküche
Weimaer VoKü
Sani Vokü

Vielen Dank für die großartige Zusammenarbeit und solidarische Grüße an alle beteiligten Volxküchen!

Food for Action, Berlin

food for action

Pressespiegel Anti-G8 Volxküche

Im Rahmen der Presseberichterstattung über die G8-Camps und die Gipfelblockaden wurde den Zeitungsleser_innen die Organisationsform und Funktionsweise der Volxküchen näher gebracht. Hier ein – unvollständiger – Ausschnitt von Berichten in denen Volxküchen erwähnt werden:

stern.de EXTRA: G8-Gipfel in Heiligendamm

Die Besuchergruppe aus dem 300-Seelen-Gemeinde Wichmannsdorf hat „richtige Freude“ an der Führung durchs G8-Camp auf ihrem frisch gemähten Hoppenberg. „Die ganze Wiese so schön bunt,“ sagt einer der Alten mit Bügelfalte. Zirkuswagen und Zelte, Holzwohnmobile auf LKW-Oldtimern, eine „Volxküche“ mit ihren den Riesenkesseln.


taz Hamburg: Zusammenkommen gegen G 8

Ein Infopunkt soll über Aktionen, Camps, Demos etc. auf den neuesten Stand bringen, es werden Übernachtungsmöglichkeiten vermittelt, und in der „Volxküche“ gibt es Essen.

Berliner Zeitung: Liebeslieder im Rebellencamp

Micha, 17 Jahre alt, hat lange dunkle Rastalocken, schwänzt seine Schule in Niedersachsen und schnippelt Kartoffeln für die „Volxküche“, wie sich die Kantinen hier nennen. Er ist gekommen, weil er am Info-Point einen Zettel gesehen hat, dass noch Küchenhilfen gesucht werden.

Jeder bekommt gratis zu essen in den „Volxküchen“, auch Geschirr wird ohne Pfand ausgegeben. Das kann nur funktionieren, wenn es in der Spendenbox klingelt, auf der steht: „Sonst gibt es morgen nichts zu essen.“ Es klappt, alle zahlen, genauso wie jeder auch ohne Kontrolle die Campinggebühr von fünf Euro am Eingang hinterlassen hat.

Das Lager erwacht, manch einer klagt über einen Kater. Nach einem Emaillebecher Kaffee aus der „Volxküche“ sieht die Welt dann schon wieder besser aus.

Berliner Kurier: Im Camp der Gipfel-Kämpfer

Dicke Schläuche speisen wuchtige Gasbrenner im offenen Zelt der „Volxküche“ im G8-Gegner-Camp, auf einer grünen Industriebrache im nördlichen Rostocker Hafen. Wir treffen Lilet und Ralf aus Holland. Sie schaufeln junge Frühkartoffeln in riesige Töpfe. Es gibt Püree mit Tofu-Würfelchen und etwas Salat mit Tomaten – für 5000 Gipfel-Stürmer. „Fleisch?“ Lilet lacht. „Nee, braucht man nicht, alles vegan hier“. Auch Eier oder Fisch kommen ihr also nicht ins Zelt. Die beiden schufteten von 6.30 bis nachts um 2 Uhr.

Merkur-Online.de: Katz und Maus im Kornfeld

6000 Demonstranten aus 50 Nationen schlagen in Reddelich ihre Zelte auf. „Campinski” nennen sie ihr Lager, in Anspielung ans nahe Luxushotel. Während eine Suite dort ab 400 Euro zu haben ist, kostet ein Zeltplatz nur fünf Euro am Tag -­ Hippie-Atmosphäre gibt’s gratis. Gekocht wird in der „Volxküche”, die dringend Spülkräfte sucht: „Ohne Mampf kein Kampf.”

Neues Deutschland: Erfolg macht fröhlich – und müde

Kurz vorm Hotel »Ostseeperle« ist der Lautsprecherwagen des Jugendverbandes [’solid] stationiert. Hier gibt es Infos. Einmal wird durchgesagt, dass die Volxküche ihr Geschirr zurück haben möchte, denn es kämen immer mehr Leute.

junge Welt: Sound einer neuen Zeit

An anderen Stellen wurden Deals mit der Polizei geschlossen: Wir lassen drei Einsatzwagen abziehen, wenn ihr die Volxküche durchlaßt usw. Überhaupt die Volxküchen: Die äußerst langen Versorgungslinien wurden mit sensationeller Schnelligkeit überbrückt. Während die Polizeieinheiten hungern mußten, hatten wir veganes Essen und Wagen voller Trinkwasser.


Zeit.de: Langer Marsch durchs Feld

Der Tag der großen Blockaden beginnt mit Brote schmieren. Morgens um sieben stehen Hunderte Gipfelgegner an den langen Tischen der Volxküche im Rostocker Anti-G8-Camp und stapeln Vollkornbrot auf Vollkornbrot. “Nehmt viel Wasser mit, es wird ein heißer, langer Tag!” rät ein Schild neben den Kaffeekanistern.

Linke Zeitung: Impressionen aus den Camps

An der sehr gut organisierten Volxküche, vor den Bühnen der beiden roten Zirkuszelte und bei den diversen Soundsystems auf dem Platz vermischen sich die Leute dann mehr und es wird heftig diskutiert, „geworkshopt“ und gefeiert.

FAZ.net: Camps der G-8-Gegner

Die Protestler spielen Gitarre, reparieren Fahrräder, sitzen am Lagerfeuer, trinken das ein oder andere Bier. Im Zentrum des Camps die Feldküche, die „Volxküche“ im Protestlermund genannt.

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