Ohne Mampf kein Kampf. Die „Essowiese“ in Dannenberg ist bei jedem Castortransport erster Anlaufpunkt für viele AktivistInnen. Hier gibt es Tipps für den Aufenthalt im widerständigen Landkreis, Karten, die Schlafplatzbörse das „Radio Freies Wendland“ und natürlich die Zentrale der kraft- und wärmespendenden Volxküche. Während der „heißen Phase“ begegnet man hier Menschen, die die Verpflegung der Demonstranten mit Essen und Trinken auf Schiene und Straße sowie in den Camps zu ihrer Aufgabe machen … >>>>

Der Widerstand kocht – Suppe für alle

Die „Essowiese“ in Dannenberg ist bei jedem Castortransport erster Anlaufpunkt für viele AktivistInnen. Hier gibt es Tipps für den Aufenthalt im widerständigen Landkreis, Karten, die Schlafplatzbörse das „Radio Freies Wendland“ und natürlich die Zentrale der kraft- und wärmespendenden Volxküche. Während der „heißen Phase“ begegnet man hier Menschen, die die Verpflegung der Demonstranten mit Essen und Trinken auf Schiene und Straße sowie in den Camps zu ihrer Aufgabe machen und dies als ihren Beitrag zum Widerstand sehen. In der Wendland-Volxküche dampft es rund um die Uhr aus Töpfen und Ofenrohren. Gekocht wird, was da ist. Es liegt ein Duft von Kürbissuppe mit Ingwer und Curry in der Luft. Von „Karlchen“, dem Transport-LKW der Wendland-Vokü wird gerade Feuerholz abgeladen. Im selben Moment machen sich Freiwillige daran, es klein zu hacken und die öfen zu füttern, die aus umgebauten Traktorfelgen und Metallfässern bestehen. Die Grenze zwischen Bekochten und Kochenden verschwindet. Schnibbel-Hilfen sind immer willkommen und wer kalte Finger hat, unterstützt die Küche kurzfristig an der „Wasch-Straße“. Tag und Nacht stehen große Wannen mit warmem Wasser für den Abwasch bereit. Vorspülen, Hauptspülen und Nachspülen sind hier eisernes Gesetz.

Neben dem „Mutterschiff“, einem umgebauten Bauwagen, der als Basis dient, stehen zwei große Lager-Zelte, bis zum Rand gefüllt mit Lebensmitteln. Die Stamm-Crew der Volxküche hat im Vorfeld zu Lebensmittelspenden bei Bauern und Großhändlern über Internet- Portale, die Lokalzeitung und E-Mail-Verteilern aufgerufen. Es sind Tausende, die mitmachen. Vor allem die Bio-Bauern aus dem Wendland unterstützen mit ihren lokalen Produkten. Menschenketten bilden sich, um tonnenweise Kartoffeln, Kürbisse, Rote Bete, Orangen und Möhren von den Lastwagen abzuladen und auf Paletten zu stapeln. Die Flut an Spenden bricht nicht ab. Hausfrauen bringen selbstgemachte Marmeladen und köstliche Kuchenkreationen. Auch Räuchertofu, Reismilch, Brot, Nudeln, Bratlings-Mischungen, Säfte und andere Leckereien lagern dort in großen Mengen und warten darauf, an die einzelnen Küchen in den Camps entlang der Transportstrecke verteilt zu werden.

Zwischen acht und zehn Großküchen reisen zu jedem Castortransport an. Sie kommen aus Deutschland, Belgien und den Niederlanden und nennen sich Le Sabot, Rampenplan, Kokkerellen, Maulwürfe, Food For Action, Mobile Volxküche oder auch Fahrende Gerüchteküche. Die Koch-Kollektive sind untereinander gut vernetzt und haben gemeinsame Grundsätze. Sie sind selbstorganisierte „Mitmach-Küchen“ und kochen aus politischen Gründen auf Umweltkongressen, Weltbankoder G8 Protesten, Grenz-Camps, beim Anti-Atom Widerstand und anderen politisch unterstützenswürdigen Events. Der Hunger auf konkrete, praktische Arbeit treibt immer wieder neue Helfer aller Couleur in ihre Küchen. Die Volxküchen arbeiten nicht kommerziell, sind gegen Machtstrukturen und meist mit Spenden-Dose unterwegs. Das Geld, das übrig bleibt, fließt zurück in politische Projekte und Aktionen. Der Verzicht auf Fleisch- und Milchprodukte beim Kochen ist Konsens und stellt sich gegen Massentierhaltung, zudem schließt die vegane Küche niemanden aus. Wann immer es möglich ist, werden biologische Lebensmittel den konventionellen vorgezogen.

Eine Küche kann zwischen 400 und 4000 warme Mahlzeiten auf einmal produzieren. Nicht selten reisen die Kochgruppen mit 200-Liter-Töpfen an. Unmengen an riesigen Thermobehältern sichern die Versorgung an den Brennpunkten. Heißgetränke und warme Speisen gibt es im Wendland bei jeder Blockade. Das gibt Kraft und Wärme für die Demonstranten und lässt bei dem nasskalten Novemberwetter auf Schienen und Zufahrtsstraßen länger aushalten. 30-stündiges Campieren ist da keine Seltenheit. Gestärkt vom Essen, versorgt mit warmen Decken und beschallt von Bands wie „Tuba libre“ oder der widerständischen Samba-Gruppe „Xamba“ wird der friedliche und bunte Protest schon beinahe zu einem Fest. Während die Volxküchen mit ihren vielen freiwilligen Helfern bis in die entlegensten Waldgebiete kommen, um Essen auszuteilen, sieht es bei der Versorgung der Polizei oft anders aus. Beim Castortransport 2010 zum Beispiel hatte die Polizei große Mühe, ihre Beamten mit dem Nötigsten zu versorgen. Die Polizeigewerkschaft beschwerte sich über 24-stündige Dauereinsätze ohne Verpflegung. Die Einsatzleitung der Polizei in Lüneburg bestätigte die Vorwürfe. Wegen blockierter Zufahrtswege mussten letztendlich Hubschrauber eingesetzt werden, um die Versorgung zu gewährleisten. Hungrig, übermüdet und von Kälte durchdrungen stießen die Beamten an ihre Grenzen. Das macht es natürlich schwierig in Extremsituationen besonnen zu reagieren. ähnliche Situationen gab es auch bei den Protesten zum G8 Gipfel- Treffen in Heiligendamm und an anderen Orten.

Nicht nur bei uns im Wendland präsentiert sich die Volxküche als autonomer Dorfplatz. Sie holt das Kochgeschehen aus der Küche und stellt es auf die Straßen, mitten in die Schauplätze sozialer Kämpfe. Hier passiert etwas selbst Organisiertes, das besser funktioniert als die offiziellen staatlichen Organisationen. Wenn alle mithelfen und beisteuern was sie können (Geld, Arbeitskraft, Ideen, Mut…) lässt sich vielleicht auch eine bessere Welt aufbauen.

Rote Linsensuppe für ca. 1000 Personen

Wichtiges Zubehör: 400-Liter Topf
75 kg rote Linsen
25 kg Zwiebeln schälen und klein hacken
50 kg Kartoffeln waschen und würfeln
2 kg frischen Ingwer sauber machen und fein hacken
2 kg Knoblauch schälen und fein hacken

Die Zwiebeln und den Ingwer in öl anbraten. Den Knoblauch auch kurz mit anbraten. Mit Wasser ablöschen und 75 kg rote Linsen dazugeben. Dann die Kartoffeln dazu. Gut rühren bis es kocht und danach solange, bis die Linsen auseinander fallen. Die Suppe würzen mit Paprika, Pfeffer, Salz, Bouillon, Muskatnuss, Kreuzkümmel und evtl. Minze. Daraus werden 320 l dicke Linsensuppe, für ca. 1000 Personen.

Von: Kulturelle Landpartie Gorleben – Der Widerstand kocht!