Automat wurde ins Leben gerufen, um als Küche für das von Freunden und Stockholmer Anarchisten aufgebaute Cyklopen Kulturzentrum zu fungieren. Das Ziel war im Gegensatz zu einem vormaligen Küchenprojekt, in welches Einzelne aus der Gruppe Automat involviert waren, leckeres veganes Essen für Großveranstaltungen und die aktive Szene Stockholms zu kochen. Als das Cyklopen Kulturzentrum 2007 nach langjähriger Arbeit fertig gestellt wurde, kauften wir unseren ersten Gasbrenner, finanziert durch die Arbeit eines Automat-Mitglieds bei Swedish National Radio. 2008 legten Nazis einen Brand, dem das Cyklopen und ein Teil der Ausrüstung von Automat zum Opfer fielen. Dies hätte das frühe Ende von Automat sein können, wären wir ordentlicher organisiert gewesen und hätten die gesamte Ausrüstung an einem Ort aufbewahrt. Glücklicherweise war das nicht der Fall: der Großteil der Ausrüstung war in den Schränken Einzelner verteilt.

Seit 2008 bauen wir Automat eifrig zu einer voll ausgestatteten mobilen Küche aus. Mit der Hilfe der Küche Le Sabot während und nach dem ESF 2008 in Malmö, sind wir nun soweit, für mehrere hundert Leute kochen zu können. Wir unterstützen zum einen lokale Aktionen und Veranstaltungen, die wir meist per Rad beliefern, und zum anderen bei Bedarf größere Aktionen im Ausland.

Im Frühjahr 2009 entstand durch die Teilnahme einiger Automat-Mitglieder an einer biodynamischen Landwirtschaftsschule außerhalb Stockholms die Idee ein kleines Feld ihrer Schule als Projekt im Rahmen der Protestbewegung gegen den COP15 zu nutzen. Auf dem Feld sollte Gemüse für die 2-wöchigen Volksküche während des Gipfels angebaut werden. Die Schule befürwortete das Projekt. Obwohl das Land dicht mit Fingerhirse bewachsen war, und ein Automat-Mitglied, welches den Großteil der eigenen Zeit dem Projekt widmete, auch die Anderen zu zeitaufwendigen Tätigkeiten wie etwa eine Egge per Hand zu ziehen überzeugen musste, hatte das Projekt Erfolg: 200 kg Gemüse für den COP15 und kleinere Kochaktionen in der Zeit davor.

Während des gesamten Frühlings und Sommers fanden verschiedene Aktions/Arbeitstage statt, die unterschiedlich gut besucht waren und ein gemischtes Publikum an Aktivist_Innen und Locals anzogen. Außerdem unterstützen lokale Landwirt_Innen das Projekt indem sie günstig oder gänzlich umsonst Pflanzensamen und andere wichtige Utensilien abgaben. Besonders ermutigend war die Tatsache dass Aktivist_Innen aus Stockholm, die zuvor keinen Bezug zu Essen hatten, außer zu Dosen aus dem Supermarkt, zu uns zum arbeiten oder einfach nur zum entspannen vorbeikamen.

Natürlich wäre es optimal gewesen das Feld, das uns die Schule freundlicherweise für umsonst zur Verfügung gestellt hatte, auch 2010 weiterhin zu bewirtschaften. Da bedeutend mehr Zeit nötig ist um große Felder zu bewirtschaften, wollten wir zunächst die Anbaufläche auf dem kleinen Feld ausdehnen. Dass ein Großteil der Automat-Gruppe und eine Vielzahl an Freund_Innen in der Nähe zum Feld leben, begünstigte diese Idee. Im zweiten Jahr wollten wir mehr politische Events unterstützen und der politischen Idee näher kommen, Nahrungsmittel außerhalb kapitalistischer Prozesse zu produzieren.

Da die Schule entschied das Feld wieder für den eigenen Bedarf zu nutzen, konnten diese Ideen leider erstmal nicht umgesetzt werden. Zwei angehende Gärtner_Innen aus der Automat-Gruppe fanden die Projektidee zu gut, um sie einfach zu verwerfen. Also entwarfen sie ein neues Projekt, welches die positiven Aspekte des Projektes von 2009 herausgreifen und betonen sollte. Dazu gehörte beispielsweise: über den eigenen Tellerrand der Aktivist_Innen-Szene hinaus auch die lokale Bevölkerung einzubinden und so wieder einen direkten Bezug zwischen ihnen und ihren Nahrungsmitteln herzustellen.

So entwickelte sich aus der Volksküche ein Gemeinschaftsgarten, in Anlehnung an das Konzept der CSA (community supported agriculture). In Skarpnäck (einem Vorort von Stockholm) wurden einige aneinandergrenzende Kleingartenstücke gemietet, um die Bevölkerung vor Ort einzubinden. In dieser Form der offenen Kooperative zahlt zum einen jedes Mitglied einen kleinen monatlichen Beitrag, bemessen am eigenen Einkommen, um die Ausgaben bewältigen zu können und zum anderen hilft jede_r entsprechend bei den geplanten Gemeinschaftsarbeitstagen und -wochenenden auf den Feldern. Das Projekt übertrifft bisher alle Erwartungen. Obwohl Skarpnäck ein Vorort mit einem hohen Anteil an Aktivst_Innen ist, ist die Resonanz viel höher als erwartet. So werden nicht nur die Aktionstage, die von Automat angeboten werden rege genutzt, auch wurden viele neue Initiativen gegründet und es gibt jederzeit Menschen die gerne auf den Gartengrundstücken aushelfen. Sogar die örtlichen Behörden zeigen Interesse daran das Projekt in der nächsten Saison auszudehnen.

Aus einer politischen Perspektive betrachtet sind die eigene Ernährungssouveränität und lokale Nahrungsmittelbeschaffung wichtige, aber oftmals vergessene Werkzeuge gegen das kapitalistische System. Auf den globalisierten landwirtschaftlichen Märkten werden Kleinbäuer_Innen und Kooperativen durch subventionierte Nahrungsmittel des Westens überrannt und so des Rechtes beraubt, selbstständig über die Lebensmittel, die sie aus ihrem Grund und Boden erarbeitet haben zu entscheiden.

Daraus ergeben sich die zentralen Eckpunkte des Projektes: Bewusstseinsbildung durch den direkten Einbezug der Menschen in den Produktionsprozess von Nahrungsmitteln – das Schaffen einer eigenen Lebensgrundlage – und die Realisierung des politischen Aspektes dahinter.

(von Automat)