Seit mindestens 150 Jahren wird die Idee vom gemeinsamen günstigen Essen – teils politisch, teils karitativ gefärbt – umgesetzt. Gemeint sind Suppen, Armen-, Volks- und Kiez- oder Kinderküchen. Ein relativ populäres Beispiel ist der Verein „Die Tafel“, der in vielen Städten einkommensschwache Menschen mit Lebensmitteln oder Mahlzeiten zu symbolischen Preisen unterstützt.

Die Gemeinsamkeiten von Volksküchen unterschiedlicher Art erschöpfen sich in den beiden Tatsachen, dass sie in der Regel Stadterscheinungen sind und waren und finanziell erschwingliche Mahlzeiten anbieten wollen. Die politische Haltung dieser Küchen ist ebenso divers. Not soll zwar gelindert werden, Armutsverhältnisse werden aber nicht als veränderbar, im Extremfall sogar als schicksals- oder gottgegeben angesehen. Demgegenüber stehen jene „Volksküchen“, die ihre Essensausgabe als Teil einer Arbeit zur Überwindung der Armut und Auflösung gesellschaftlicher Verhältnisse ansehen.

Wann und wo die erste deutsche „Volksküche“ ins Leben gerufen wurde, lässt sich nicht mehr nachvollziehen. Als eine der bekanntesten kann aber die von der Berliner Jüdin Lina Morgenstern genannt werden, die 1866 den „Verein Berliner Volksküchen“ gründete. Zuvor sind Zeitungsnotizen von saisonalen Armenküchen in besonders harten Wintern auffindbar. Ausschlaggebend war für das Engagement der bürgerlichen Sozialreformerin Morgenstern war der sich abzeichnende Krieg zwischen Preußen und Österreich, der die Lebensmittelpreise in die Höhe trieb. In Berlin-Kreuzberg entstanden durch den hohen Bedarf aufgrund der Massenarmut der ArbeiterInnen in kürzester Zeit sieben „Volksküchen“, die von über 1000 Menschen pro Tag besucht wurden. Die Grundausstattung der Küchen wurde über Spenden finanziert, alles andere sollte sich finanziell selbst tragen. Das Essen war also nicht umsonst, um nicht das Gefühl des „Almosen-Gebens“ aufkommen zu lassen.

Familienpolitisch sollte die gemeinsame Speisung von Familien insofern sinnvoll sein, dass Zeit und Kraft der Frauen in andere Dinge gesteckt werden könnte. Dennoch wollte Morgenstern keine grundsätzliche Veränderung des gesellschaftlichen Systems hervorrufen; die „Volksküchen sollten vielmehr zur Befriedung gesellschaftlicher Unzufriedenheit der Armen beitragen. Leitung, Verwaltung und das Kochen lag in der Hand von bürgerlichen Frauen, die ArbeiterInnen sollten dort konsumieren. Den meisten bürgerlichen Armenküchen ist dieser rein karitative Nothilfecharakter gemein.

Die heute vorhandenen Küchen zur Versorgung von vielen, bedürftigen Menschen sind in der Hand von Vereinen und Kirchen. Staatliche Armenküchen gibt es fast gar nicht. Die Verteilung von Lebensmitteln kann dabei aber auch mit der „Verteilung“ von Inhalten und Ideologien der jeweiligen Vereine einhergehen. Die meisten kleineren Vereine, wie zum Beispiel der Aschaffenburger Verein „Grenzenlos e. V.“ bietet mit sehr geringen staatliche n Zuschüssen an sechs Tagen in der Woche Essen Obdachlose an. Das Cafe wird mittlerweile auch sehr stark von Junkies, Punks und MigrantInnen frequentiert.

In der Zeit der Weimarer Republik vertraten die KPD und die SPD stark von den bürgerlichen Vorstellungen abweichende Konzepte. Die Arbeiterwohlfahrt (AWO), 1919 von der SPD ins Leben gerufen, sah „soziale Fürsorge als eine grundsätzliche Aufgabe von Staat und Gesellschaft, die nicht nach persönlichem Versagen zu fragen habe.“ Armut sollte überwunden und Armenpflege dadurch überflüssig gemacht werden. Auch hier oblag die Verwaltung oft Männern, das Kochen jedoch den Frauen.

Von der KPD wurden „Volksküchen“ eher als „Pflästerchen“ angesehen. Nach der Revolution sollte dann mithilfe von „Großhaushalten“ die „völlig gefesselten Kräfte der proletarischen Hausfrau freigemacht“ werden. Die „Internationale Arbeiterhilfe“ (IHA), eine Massenorganisation der KPD unterstützte die sich Anfang bis Mitte der 1920er Jahre radikalisierenden Arbeiterkämpfe mit Streikküchen und legte Wert darauf nicht mit karitativen Organisationen verglichen zu werden.

Nach ihrer Machtübernahme betrieben die Nationalsozialisten Wohlfahrtspflege, indem sie beispielsweise die „Winterhilfe“, das heißt in hunderten Städten Küchen, Lebensmittelausgaben und Hilfsstellen einrichteten – eine Kopie dessen, was im Jahre 1923 bereits die Internationale Arbeiterhilfe getan hatte. In Anspruch genommen werden konnten diese Hilfen nur von Menschen, die „politisch, rassisch und erbbiologisch würdig waren“

Die Volxküchen innerhalb der linken Szene erhielten erst ab den 1960er Jahren zunehmende Bedeutung. Der politische Kampf der „Neuen Linken“ sollte sich nun, abweichend von Dogmen, mehr an den Bedürfnissen der Menschen orientieren. In Deutschland jedoch waren Volxküchen aufgrund des relativen Wohlstands aber nicht allzu bedeutend und spielten in der 68-er Bewegung keine Rolle. In den USA und der ärmeren Ländern setzten linke Gruppierungen Schwerpunkte ihrer Arbeit.

Neue politische Ansätze vertrat die 1980 in den USA gegründete Organisation „Food not bombs“ (FNB). Ihre autonom und nach dem Konsensprinzip funktionierenden Ortsgruppen, von denen es seit 1996 auch mehrere in der BRD gibt, kochen nur vegan oder vegetarisch. Das Prinzip der Gewaltfreiheit schließt die Tötung von Tieren mit ein. Ebenso ausschlaggebend ist die Ansicht, dass die Erde genug Kapazitäten zur Ernährung der Menschen aufbringt, wenn Flächen nicht zur Futtermittelerzeugung genutzt werden. Praxis der FNB ist auch, Lebensmittel, die von Supermärkten weggeschmissen würden, einzusammeln und zu verwerten. FNB ist auch sonst politisch aktiv in der Flüchtlingsarbeit, mit GefängnisinsassInnen, gegen Militarismus, Atomkraft und im kulturellen Bereich.

Erst mit der HausbesetzerInnenbewegung Anfang der 1980er Jahre, zogen Voküs in linke Zentren, besetzte Häuser, alternative Jugendtreffs und Kollektiv-Kneipen. Sie sind feste Bestandteile der linkspolitischen Szene und Infrastruktur. Oft wird hier Wert auf vollwertiges Essen gelegt, werden vegetarische und vegane Gerichte Fleischgerichten meist vorgezogen. Die meisten Voküs sind jedoch reine Szene-Veranstaltungen, die zwar schon offiziell den Anspruch haben auch für „Szene-Externe“ günstiges Essen anzubieten, von diesen aber kaum in Anspruch genommen werden. In manchen größeren Städten ist es möglich, jeden Tag in einer Vokü zu essen, in Berlin sind die Vokütermine der Woche über den Veranstaltungskalender „Stressfaktor“ einsehbar – es sind bis zu 30 verschiedene Voküs allein aus dem links-autonomen Spektrum vorhanden. Sie dienen meist eher kommunikativem und gemeinschaftlichem Zweck als dazu, konkrete Not zu lindern. Ausnahmen bilden allerdings MigrantInnenvoküs, die in manchen linken Zentren zusätzlich Flüchtlings- und Rechtsberatung anbieten.

(von LeSabot)